In meiner Geburtsstadt Biel/Bienne vermischen sich seit jeher Französisch (Wältsch) und Berndeutsch. Im Alltag werden diese Lehnwörter kaum als Fremdwörter wahrgenommen. Mich hat der entspannte Umgang mit diesem sprachkulturellen Schatz schon immer fasziniert: Ob dütsch, ob wältsch, c’est tout égal, le même soleil schynt überall.
Die vorliegende Liste mit Ausdrücken (Gallizismen) entstand aus dem Gedächtnis und erhebt deshalb weder Anspruch auf Korrektheit noch Vollständigkeit. Meine persönliche, berndeutsche Perspektive umfasst das während meiner Kindheit in Biel/Bienne gebräuchliche Vokabular. Allgemein bekannte Internationalismen wie «Trottoir», «Billet» oder «Vol-au-vent» habe ich nicht in diese Liste aufgenommen.
Natürlich verwenden auch die «Welschen» (les Romands) deutsche Lehnwörter: Mais arrêtez de schlecker! (= Höret doch uf schmuuse!) oder: Tu me prêtes un schnegg ? (= Leihst du mir 5 Fr.?)
Aussprache: (Auch) die Bieler-Variante des Berndeutschen kennt das vokalisierte L: nach Vokalen degeneriert L meist zu U.
Beispielsweise tönt Wältsch also Wäutsch. Nasale behalten ihre französische Aussprache: perron = [pɛˈʁɔ̃ː], hier als perron notiert.
Abweichungen von der französischen Akzentuierung sind unterstrichen markiert: komedi
Wahrnehmung: Im Gegensatz zu Bern, wo Gallizismen einen eher elitären Klang (→ Patrizier) haben
(Ausnahme: Mattenberndeutsch), sind diese in Biel/Bienne Allgemeingut.
Habe ich dein Interesse geweckt? Dann wirf einen Blick in die zweisprachige Zeitung Biel Bienne
und auf das Fernsehprogramm von TeleBielingue.
Auch in weiteren CH-Dialekten finden sich französische Einflüsse: Im Wallisertitsch
oder im Baseldytsch, ja sogar im Züridütsch.
Nachschlagen: Das umfassendste Nachschlagewerk zu Schweizer Dialekten ist das Idiotikon. Das mundartforum.ch widmet sich ausführlich den schweizerdeutschen Dialekten.